LANGZEIT-MONITORING: LUKAS DIETRICH IM INTERVIEW

Lukas Dietrich ist seit etwa zwei Jahren als Mitarbeiter im Audiolabor am Umwelt-Campus beschäftigt. Zusätzlich zu seiner Arbeit ist er auch im Masterstudium der Medieninformatik eingeschrieben und hat vor kurzem begonnen, seine Masterthesis zu schreiben.

Wie bist du zu Crossmedia gekommen?

Zu Crossmedia bin ich erstmalig im Laufe meines Bachelorstudiums gekommen. Ich besuchte die Veranstaltung zunächst als Teilnehmer, war aber darüber hinaus interessiert an den Forschungsfragen, die Prof. Matheis stellt und kam so im Laufe meines restlichen Bachelorstudiums, sowie des Masterstudiums zur Anstellung, sodass ich die Forschungsprojekte auch weiterhin begleiten konnte.

Was macht ihr und mit welchem Ziel?

Im Konkreten besuchen wir jedes Semester in dreisemestrigem Wechsel verschiedene Standorte im Nationalpark, die stellvertretend für sogenannte Zonen stehen. Somit wäre z.B. die Jagdhütte bei Leisel ein Standort, der zwischen dem Kerngebiet des Nationalparks, sowie einer Siedlung, also einem vom Menschen geprägten Teil des Gebiets liegt. Am Hunnenring liegt beispielsweise ein eher touristisch geprägtes Gebiet vor. Unser Ziel ist es, über einen Zeitraum von 30 Jahren die Renaturierung des Nationalparkgebietes zu verfolgen, aber auch negative Veränderungen festzustellen und aufzeigen zu können.

Welche Aufgaben hast du?

Meine Aufgaben umfassen alle Forschungsprojekte der Crossmedia-Gruppe, bei denen es zunächst um das Audiomonitoring der Biodiversität im Nationalpark Hunsrück-Hochwald, aber auch um die Beantwortung von Forschungsfragen geht.

Ein Beispiel für solch eine Forschungsfrage wäre: „Ist es möglich, einen Borkenkäferbefall frühzeitig mittels Audioerkennung festzustellen?“. Mit dieser Frage befasse ich mich zusätzlich in meiner Masterthesis. Dazu kommen weitere Varianten, die die Möglichkeit einer frühzeitigen Erkennung bieten könnten, wie beispielsweise Pheromonerkennung und Trockenstress-Erkennung in Bäumen.

Wie werden solche Aufnahmen und die Auswertung vorgenommen?

Die Aufnahmen werden jedes Jahr gleich vorgenommen. Aus Gründen der wissenschaftlichen Standards verwenden wir jedes Mal, wenn wir den selben Standort besuchen auch die selben Bäume zur Anbringung der Song Meter. Das haben wir in GPS-Daten hinterlegt. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Bäume noch vorhanden sind, was natürlich in den aktuellen Hochzeiten des Borkenkäfers nicht immer der Fall ist.

Die Auswertung wurde in den vergangenen Jahren hauptsächlich „von Hand zu Fuß“ vorgenommen, weshalb auch größere Datenmengen aufgrund der hohen Komplexität unbearbeitet blieben. Allerdings arbeiten wir gerade im Rahmen einer Promotion daran, eine automatische Auswertung mit Hilfe von „Machine Learning“ zu erstellen.

Und welches Equipment verwendet ihr dafür?

Für die Aufnahmen an den drei Standorten verwenden wir wegen der Wetterfestigkeit die sogenannten Song Meter SM4 von Wildlife Acoustics. Diese sind extra darauf konszipiert worden, auch mal einen längeren Zeitraum in der Natur unbeaufsichtigt zurückbleiben zu können.

Für Projekte wie beispielsweise die Borkenkäfer-Aufnahme, verwenden wir für gewöhnlich den H6 Recorder von ZOOM. Das liegt daran, dass wir hier ein spezielles Mikrofon verwenden müssen, welches wir über die letzten Semester gemeinsam mit dem Innovationslabor Digitalisierung (INNODIG) entwickelt haben. Das ZOOM Gerät bietet eben die Möglichkeit, ein anderes Mikrofon anzuschließen.

Welche Ergebnisse konntest du bisher in erster Linie erzielen?

Es wurden bereits diverse Ergebnisse festgehalten, allerdings ist die konkrete Aussagekraft nur über einen längeren Zeitraum zu deuten. Hierbei geht es ja um ein Projekt, welches insgesamt 30 Jahre laufen soll. Natürlich sind schon Tendenzen zu erkennen, wie beispielsweise dass anthrophoner Lärm das Nationalpark-Gebiet dauerhaft überschattet, besonders Fluglärm. Auch erkennbar ist aber, dass die Hirsche zu ihrer Brunftzeit in anderen Gebieten auftauchen. Besonders auffällig wurde das, weil das Aufnahmegebiet oberhalb des Trahnenweiers, wo wir jahrelang waren, durch den Borkenkäfer zerstört wurde. Und verändert sich der Wald, verändert sich auch die Biodiversität. Das gilt nicht nur für Hirsche, sondern eigentlich auch für die Avifauna, für alle Tiere im Nationalpark, für die Biodiversität in ihrer Gesamtheit.

Wie geht es in nächster Zeit für dich weiter?

Wenn ich meine Masterarbeit spätestens im Februar beendet habe, wird auch meine Anstellung am Umwelt-Campus ihr Ende finden. Im Nachgang strebe ich an, einen Quereinstieg ins Lehramt an einer Berufsschule zu machen.

Vielen Dank an Lukas Dietrich und bis zur nächsten Ausgabe.

Crossmedia – Wir hören uns..

Erarbeitet von: Jan Böffgen

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