DER BAU EINES HYDROPHONS: JANNIS WEIDER IM INTERVIEW

Jannis Weider kommt aus Nohfelden im Saarland und studiert BAE (Business Administration Engineering) im Master. Er hat sich in Crossmedia für den Bau eines Hydrophons entschieden, ein technisches Projekt.

Wie bist du zu Crossmedia gekommen?

In BAE braucht man mehrere technische Wahlfächer und bei der Suche danach bin ich auf eine Mail vom Herrn Matheis gestoßen. In dieser beschrieb er die Crossmedia-Projekte in diesem Jahr und was es dort zu lernen gibt. Daraufhin wollte ich mir das Ganze erstmal anschauen und gucken, wie das zu meinem Studiengang passt. Der erste Eindruck war dann sehr positiv, also entschied ich mich, an Crossmedia teilzunehmen und den Bau eines Hydrophons zu übernehmen.

Wieso hast du dich für dieses Projekt entschieden?

Die Entscheidung genau dieses Projekt durchzuführen ist gefallen, weil es sehr gut zu den technischen Elementen meines Studiengangs passt. Außerdem sind auch eigene Interessen, gerade von der technischen Seite her in dem Projekt von Wichtigkeit.

Wie bist du beim Hydrophon-Bau vorgegangen und worauf musstest du dabei achten?

Als das Projekt anfing, haben mir die Dozenten einige Informationen zu einem möglichen Vorgehen beim Bau gegeben. Da habe ich dann auch den Tipp bekommen, dass ein gewisses Piezoelement eine tragende Rolle spielen kann. Als nächstes habe ich erstmal diverse YouTube Videos angesehen und Foren durchstöbert, um herauszufinden ob es von anderen Menschen schon Versuche zu genau diesem Thema gegeben hat. Allerdings stieß ich dabei nur auf Tipps, wie ein normales Mikrofon mit Hilfe eines Piezoelements gebaut werden kann und ich habe einfach erstmal damit begonnen, die in den Videos gezeigten Prototypen nachzubauen. Glücklicherweise gab es dafür bei meinem Großvater im Keller alle nötigen Materialien.

Für den Bau muss das Kabel, das mit dem Audiorecorder verbunden wird an das Piezoelement gelötet werden. Nach mehreren Versuchen ist mir das gelungen und zwei Prototypen wurden fertiggestellt. Es blieb allerdings das Problem, dass die beiden Prototypen nicht für den Unterwasser-Einsatz gemacht waren. Somit war die nächste Herausforderung, einen wasserdichten Schutzmantel zu errichten. Die Dozenten haben mir dafür empfohlen, es mit trockenen Kondomen zu probieren; allerdings erwies sich das nicht als optimal. Also habe ich weiter geforscht und kam zum Entschluss, die Wasserdichtigkeit mit Hilfe einer Kunststoff-Versiegelung herzustellen. Dies sollte später auch die entgültige Lösung des Problems sein.

Beim Fieldrecording Workshop sind wir dann mit Frank Wendeberg in den Nationalpark gefahren. Dort konnte ich die Prototypen testen und mit einem professionellen Gerät, nämlich dem vom Herrn Wendeberg vergleichen. Mein selbstgebautes Hydrophon funktionierte zwar, konnte aber noch keine gute Tonqualität leisten ohne massiv verstärkt zu werden. Herr Wendeberg gab mir deshalb den Tipp, ein im Durchmesser stärkeres Kabel zu verwenden.

Wieder zu Hause habe ich mich mit dieser Info an den Rechner gesetzt und nach Lösungen gesucht, bis ich tatsächlich auf einen Artikel mit dem Bau eines einfachen Hydrophons gestoßen bin; hier wurden zwei Piezoscheiben verwendet und ein dickeres Kabel. Also wurde direkt neues Material von mir bestellt und ich probierte es aus. Tatsächlich mit Erfolg – das fertige Hydrophon besteht nurnoch aus einem XLR-Mikrofonkabel, zwei Piezoelementen und der wasserdichten Kunststoffschicht.

Welche verbauten Objekte haben dabei welche Funktion?

Also wie gesagt besteht das Hydrophon ja nur aus drei Komponenten. Zunächst sind Geräusche unter Wasser nichts anderes als Schallwellen, die einen Druck, bzw. eine Kraft erzeugen. Die Piezoelemente sind in der Lage, diese Druckschwankungen wahrzunehmen. Dort wird es wiederrum in elektrische Signale umgewandelt und über das XLR-Kabel zum Audiorecorder geführt; dieser verarbeitet das Signal und nimmt damit den Ton auf. Und die Kunststoffschicht hat lediglich die Aufgabe, die Piezoelemente und das Kabel vor Wasser zu schützen.

Und wie werden die Elemente besorgt?

Alles was ich für den Bau des Hydrophons verwendet habe, kann man eigentlich online bestellen, es ist aber auch im Fachhandel oder Baumarkt erhältlich. Also es ist kein Problem, sich die Dinge zuzulegen und ich hatte das Glück, dass ich zu Beginn des Projekts schon verbaute Piezoscheiben und andere Materialien zu Hause hatte. Dadurch entstand keine Wartezeit und ich konnte direkt loslegen.

Wo hast du dich preislich bewegt?

Preislich bewegt sich das selbstgebaute Hydrophon meiner Meinung nach in einem sehr guten Rahmen. Das letzte von mir gebaute Exemplar kostete mich weniger als 20 Euro – Piezoelemente gibt es für weniger als 1 Euro zu kaufen, das XLR-Kabel habe ich online bestellt für etwa 6 Euro und die Kunststoff-Versiegelung ist eigentlich das teuerste am ganzen Gerät mit etwa 10-12 Euro. Zu dem Preis ist man dabei und kann sich dann ein eigenes Unterwasser-Mikrofon bauen.

Wo liegen beim Ergebnis die zentralen Unterschiede zu einem Profigerät?

Genau, im Projekt ging es ja auch darum zu zeigen, wie ein selbstgebautes Gerät im Vergleich zu einem professionellen Gerät abschneidet. Der Unterschied liegt vorallem darin, dass es deutlich weniger kostet, es selbst zu machen. Natürlich kommt es nicht an die klare Qualität eines Profigerätes heran, allerdings kann sich mein Modell für 20 Euro durchaus sehen lassen. Im professionellen Bereich ist man hingegen schnell dreistellig. Zum jetzigen Stand ist der einzige richtige Nachteil, dass ein leises Fiepen entsteht, was bedeutet dass die Aufnahmen ein wenig nachbearbeitet werden müssen. Dennoch sind sie auch so schon sehr gut und man kann das selbstgebaute Gerät auch längerfristig einsetzen.

Wie zufrieden bist du mit deinem Ergebnis?

Insgesamt konnte ich viel neues lernen und auch praktische Arbeit leisten, was mich auf jeden Fall zufrieden macht. Es macht einfach Spaß, wenn man ein Projekt hat, bei dem man selbst in der Werkstatt stehen und tüfteln kann. Außerdem konnte ich zeigen, dass ein gutes Hydrophon schon mit nur wenigen Materialien und geringen finanziellen Mitteln gebaut werden kann. Dadurch ist es für Hobbyforscher oder technisch interessierte Menschen einfach möglich, sich mit dem Bau eines Unterwasser-Mikrofons auszutoben, bzw. auch selbst Forschung zu betreiben.

Vielen Dank an Jannis Weider und bis zur nächsten Ausgabe.

Crossmedia – Wir hören uns..

Erarbeitet von: Jan Böffgen

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