MAKING OF CROSSMEDIA: PROF. DR. ALFONS MATHEIS IM INTERVIEW

Dr. Alfons Matheis ist Professor am Umwelt-Campus und Mitbegründer des Crossmedia-Projekts. Das Projekt hat sich vom reinen Medienbereich mittlerweile auch in Richtung Sound Ecology entwickelt. So wurde die Untersuchung unserer klanglichen Umgebung zum Thema.

Wo kommt die Begeisterung für Sound Ecology her, Sie haben glaube ich früher etwas anderes gemacht als hier als Professor darüber zu reden, richtig?

Ja! Mein Kernthema ist eigentlich Ethik und Kommunikation. Allerdings hat Kommunikation auch etwas mit klanglicher und lautlicher Verständigung zu tun und das war deshalb schon immer ein Teil der Arbeit. Schließlich gab’s dann den Kontakt zu einer Kollegin am Campus, der Frau Prof. Giering, sie beschäftigt sich auch mit klanglicher Umgebung, wie beispielsweise Lärm. Sie macht das Ganze aber aus einer ingenieurwissenschaftlichen, physikalischen Sicht und dadurch ist klar geworden, dass z.B. der Lärm kein rein physikalischer Begriff ist. Stattdessen spielen auch subjektive Faktoren eine Rolle – was für den einen Lärm ist, ist für den anderen ein Wohlklang. Nehmen wir z.B. E-Gitarren. Für den einen ist es schrecklicher Lärm, für den anderen Kunst. Also insofern war auch da klar, dass die Beschäftigung mit klanglicher Umwelt über die Ingenieurwissenschaft hinausgeht und die Frage der Verständigung ein wichtiges Thema ist. Das ist wiederrum der Kommunkationsbereich.

Dazu kommt die Nachhaltigkeit. Dort geht es auch um die Frage, wie wir unsere klangliche Umgebung in Zukunft gestalten wollen; wie hört und fühlt sich das an, was wir als gutes nachhaltiges Leben betrachten. Damit wird auch die ethische Kernfrage angesprochen: „Wie soll ich mich verhalten?“.

Das hat dazu geführt, dass das Thema Sound Ecology erstmals in den Fokus gerrückt ist und dann kam ich zu der spannenden Beobachtung, dass alle Gründungsväter und -mütter dieser Wissenschaft auch künstlerisch, kreativ tätig waren. Meistens als Komponisten oder Musiker. Und diese Verbindung zwischen Wissenschaft und Kunst war für mich faszinierend und da bin ich bei Sound Ecology fündig geworden.

Noch ein anderer wichtiger Punkt: Es war schon immer gute Wissenschaft, dass junge Leute wie Sie Studierende ganz vorne mit dabei sind, wenn es um Forschungsfragen geht. Also die Integration von Lehre, wissenschaftlicher Tätigkeit und Forschung war mir ein Hauptanliegen. Und ich hoffe, dass wir das in Crossmedia, gemeinsam mit meinen Kollegen Herr Knebel und Herr Dietrich ein Stück weit umsetzen können.

Und wie kam’s dann zu Crossmedia, Sie waren schon von Anfang an dabei?

Genau, ich bin quasi einer der „Gründungsväter“ dieser Idee. Den tatsächlichen Anlass gab eine sogenannte Jugendzukunftskonferenz, d.h. Jugendliche haben sich am Umwelt-Campus versammelt und gemeinsam drei Tage darüber nachgedacht, wie wir in Zukunft leben wollen. Und dabei gab es auch einen Workshop, der sich mit Podcasting beschäftigt hat, das war damals noch ganz neu. Das fand ich dann auch ganz faszinierend, wie das Journalistische verknüpft wird mit allgemeiner Auseinandersetzung mit den Medien.

Der damalige Workshop hat dazu geführt, dass Crossmedia anfangs ein reines Podcasting-Projekt war. Es kam allerdings zur Tatsache, dass wenn man als Studierende*r von den Dozenten abhängig ist, z.B. aufgrund der Prüfungen, man eher zurückhaltend ist wenn es darum geht kritische Fragen zu stellen. (lacht) Das ist verständlich und so kam es dazu, dass sich das bis dato rein journalistische Crossmedia-Projekt verändert hat. Es kam sozusagen auf Bestreben der teilnehmenden Studierenden.

Crossmedia ist 2008 gestartet und die Webseite gab es ab 2010. Wie kam es dazu?

Das hängt mit dem Kommunikations-Ansatz zusammen. Es hilft ja wenig, wenn man alleine im stillen Kämmerchen arbeitet und oft passiert es dann bei studentischen Arbeiten, dass sie nach der Bewertung in der Schublade des Professors landen und inhaltlich nichts mehr passiert. Und weil meiner Meinung nach die Arbeiten der Crossmedia Studierenden so sind, dass sie nicht mit der Schublade abgeschlossen sein sollten – ich erinnere an das „Horror am Campus“ Hörspiel – deshalb haben wir uns damals dazu entschieden, zumindest ein Stück weit in die Öffentlichkeit zu gehen. So kam es zu unserem kleinen Internet-Schaufenster.

Es hat natürlich auch einen Marketing-Effekt, dass Studierende, die noch nicht genau wussten was Crossmedia ist oder keinen direkten Kontakt haben sich informieren können, was da auf sie zukommen würde. Und ich hoffe, dass wir den einen oder die andere dafür gewinnen konnten. Denn studieren am Umwelt-Campus kann richtig Spaß machen.

In der Vergangenheit, welche Projekte hat es da schon gegeben?

Es gab zunächst einige Podcast-Themen, die im Umfeld der Hochschule wichtig waren. Dann kam eine längere Phase, in der die Musikkultur hier im Hunsrück in den Fokus gerückt ist. Das hängt auch immer davon ab, was die Studierenden interessiert und zu der Zeit gab es einige, die tatsächlich in dieser Musikszene auch aktiv waren. Wir haben auch eine ganze Zeit lang Event-Dokumentationen gemacht, was sehr technisch orientiert war. Also z.B. wie dokumentiert man eine Vorlesung, wie dokumentiert man Veranstaltungen, immer im Bezug zu dem, was am Umwelt-Campus stattgefunden hat. Da sind wir auch tatsächlich ein Mal nach Hannover zu einer großen Gewerkschaft eingeladen worden und konnten dort eine dreitägige Jubiläumsfeier mit einem entsprechenden Film und Aufbereitung in Podcasts dokumentieren. Schließlich hat es sich von der eher medienbasierten Geschichte verschoben, hin zu Sound Ecology insgesamt.

Gegenwärtig, wie kam es zu den aktuellen Projekten? Die standen glaube ich schon fest, oder?

Die aktuellen Projekte ergeben sich aus dem, was vorher gemacht worden ist und sind gewissermaßen eine logische Fortsetzung der Arbeit. Auch hier ist Peter Knebel und mir besonders wichtig, dass die Arbeiten wie gesagt nicht einfach nur in der Schublade verschwinden. Stattdessen kann man darauf aufbauen und das ergibt eine Art Wissenstransfer über die Semestergrenzen hinweg. Insofern ergeben sich aktuell die Aufgaben aus den vorherigen.

Wie ist das Sommersemster aus Ihrer Sicht verlaufen? Es gab ja das Vorlesungsprogramm und auch zwei Workshops mit Frank Wendeberg.

Also das jetzige Semester hat mich mit den Leistungen der Studierenden tatsächlich positiv überrascht. Wir haben hier durchweg engagierte Leute, die offenbar weit über ihren Workload hinaus fasziniert waren von ihren Aufgaben und dann auch wirklich gute Arbeit geleistet haben. Dann hatten wir dieses Jahr auch noch den Workshop mit Frank Wendeberg, ein ausgewiesener Toningenieur, Künstler, Field Recorder und sogar Musiktherapeut. Ihn konnten wir als Dozent gewinnen und haben dann mit ihm draußen Aufnahmen gemacht. Dafür sind wir tatsächlich mitten in der Nacht um 3 Uhr in den Hangmoor Ochsenbruch und haben das sogenannte Morgenkonzert aufgenommen, mit sehr schönen Ergebnissen. Es gibt nämlich eine Art Vogeluhr, dabei wird vor dem Sonnenaufgang mit dem Gesang begonnen und es entsteht kein durcheinander sondern ein wunderbares Konzert. Das wollten wir in Erfahrung bringen.

Werfen wir noch einen Blick in die Zukunft, möglicherweise stoßen interessierte Studentinnen und Studenten auf diesen Beitrag.

Ist schon etwas für das nächste Semester geplant?

Definitiv. Wir haben einen weiteren Antrag gestellt, für einen Lehrauftrag von Herrn Wendeberg. Dieser Antrag ist auch genehmigt worden, vielen Dank an die entsprechenden Beteiligten. Das heißt wir können Frank Wendeberg für das nächste Semester wieder hier einladen und es wird dann so werden, dass wir uns mit der Musikproduktion mit Naturklängen beschäftigen, und zwar im Hinblick auf Filmproduktion. Das verfolgt natürlich einerseits wieder die Aufgabe, wie Field Recordings gemacht werden und was man beachten muss, damit man die Aufnahmen auch als Filmmusik weiter verarbeiten kann. Ich hoffe da, dass es uns gelingt das fächerübergreifend zu machen. Wir arbeiten dafür mit Prof. Schönborn zusammen und möchten dann die filmischen Produktionen verknüpfen mit akkustischen Produktionen.

In Zukunft wird es darauf ankommen, dass verschiedene wissenschaftliche Disziplinen lernen, miteinander zu kooperieren und das wollen wir hier im Studium bereits praktizieren. Und ich habe dabei die Hoffnung, dass die Studierenden die sich für Filmproduktion engagieren, sich dann auch für den Sound des Films interessieren.

Vielen Dank an Prof. Dr. Matheis und bis zur nächsten Ausgabe.

Crossmedia – Wir hören uns..

Erarbeitet von: Jan Böffgen

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