DIE BORKENKÄFER-DETEKTION: FABIAN GIMBER IM INTERVIEW

Fabian Gimber kommt aus einem kleinen Dorf im nördlichen Baden-Württemberg. Er studiert seit 5 Semestern am Umwelt-Campus Birkenfeld und hat bald seinen Master in Prozess-Verfahrenstechnik. Bei Crossmedia hat er sich für die Borkenkäfer-Detektion entschieden.

Das Interview ist hier in einem Podcast zum anhören verfügbar und wurde sinngemäß verschriftlicht.

Wie bist du zu Crossmedia gekommen?

Zu Crossmedia bin ich auf der Suche nach meinem letzten Wahlpflichtfach gekommen. Ich wollte gerne etwas mit Umwelt-Thematik machen, was auch ein wenig fachübergreifend ist.

Wieso hast du dich für dieses Projekt entschieden?

Ich habe mich dafür entschieden, da mein Großvater in unserem Dorf einen Wald besitzt. Wenn dort etwas zu tun war, bin ich seit ich 6-7 Jahre alt bin mitgegangen. Später ging es dann auch selbst an die Arbeit. Weil es sich bis heute größtenteils um einen Fichtenwald handelt, wurden schließlich auch die Borkenkäfer ein Thema für uns. So bin ich aus persönlichen Gründen zu dem Thema gekommen.

Wie hast du die Aufnahmen gemacht?

Die Aufnahmen wurden mit einem ZOOM H6 Handy Recorder gemacht. Daran wurde über einen Piezoverstärker der Mikrofon-Protoyp von Lukas Dietrich angeschlossen. Ausgewertet wurden die Aufnahmen über die kostenlose Software Audacity.

Wie viele und wie ausführliche Messungen wurden vorgenommen?

Es wurden insgesamt 20 Messungen mit durchschnittlich 15 Minuten Länge, innerhalb von 15 Tagen gemacht.

Wie wurde der Borkenkäfer zum Problem?

Es fing damit an, dass Privatwaldbesitzer in der Nachkriegszeit großflächig nur Fichten versetzt hatten. Darin wurde der Vorteil gesehen, dass sie schnell und gerade wachsen und anschließend gut als Bauholz verkauft & selbst genutzt werden konnten. Der Borkenkäfer hat dadurch einen große Menge an Wirts- und Futterbäumen in einem kleinen Bereich und kann sich stark vermehren. Gemeinsam mit den Klimaveränderungen, also trockeneren Sommern, generell wärmeren Jahreszeiten haben sie sich noch stärker vermehren können. Den Bäumen fehlt wiederum die Feuchtigkeit, um widerstandsfähig genug zu sein. Das ergibt einen Käfer, der sich stark vermehren kann, in einem schon grundsätzlich geschwächten Baumbestand.

Wie groß sind die Ausmaße des Befalls der letzten Jahre?

Der Befall hat sich in den letzten Jahren immer weiter ausgebreitet. Für das Projekt war ich mit dem zuständigen Revierförster in Kontakt; er redet selbst nicht mehr von einem Aufhalten des Borkenkäfers. Es ginge demnach vorrangig darum, die „Kalamität“ noch hinauszuzögern. Solange die Fichten nicht extrem versteckt stehen in einem Wald, ist davon auszugehen, dass sie früher oder später vom Borkenkäfer befallen werden. Wenn man von gleichbleibenden Verhältnissen ausgeht, wird es auch weiter zunehmen.

Wie sind die diesjährigen klimatischen Bedingungen aus Sicht des Borkenkäfers und des Detektierenden?

Der Borkenkäfer mag es am liebsten trocken und eher mäßig warm. Eine warme, feuchte Umgebung mag er allerdings gar nicht. So fordert ein Pilz hohe Opferzahlen, der bei warm feuchten Wetter wachsen kann und bildet den Hauptfeind des Käfers. Dieses Jahr war es insgesamt feuchter, was sich allerdings weniger auf den Pilz, mehr auf die Widerstandsfähigkeit der Fichten positiv ausgewirkt hat. So habe ich bei Messungen festgestellt, dass zwar einige Bäume befallen wurden, jedoch viele auch den Borkenkäfer durch einen Ausschuss von Harz abwehren konnten.

Welche Ergebnisse ließen sich außerdem feststellen?

Man konnte feststellen, dass die Fortpflanzungszyklen vom Borkenkäfer sehr verwaschen sind. Früher hatte man vielleicht 2-3 Generationen zur selben Zeit, die aber auch wirklich voneinander abgegrenzt sichtbar waren. Mittlerweile sind diese Grenzen aber fast schon aufgelöst. In einem Baum kann dann über Eier, Maden, Käfer und Altkäfer alles enthalten sein. Das bedeutet, dass der Borkenkäfer sich immer mehr verbreitet, über mehr Generationen und somit mit mehr Käfern angreifen kann.

Wie sieht es aktuell für die nächsten Jahre aus, auch im Hinblick auf den Klimawandel?

Wenn die Verhältnisse sich nicht großartig ändern, wird der Borkenkäfer sich weiter ausbreiten. Ein Aufhalten des Klimawandels wird in der Hinsicht schon nicht mehr wirklich etwas zum Besseren bewegen. Denn die bisherigen Veränderungen lassen eigentlich nurnoch die Ausbreitung des Käfers zu. Die Winter sind warm genug geworden, dass ein Großteil der Käfer überwintern kann, selbst die eigentlich kälteempfindlichen Maden schaffen es teilweise. Im Sommer haben wir mehr und verwaschenere Generationen auf der einen und angekratzte Bäume auf der anderen Seite. Wenn weiter die Fichtenschonung betrieben wird sieht es für diese Bäume eher düster aus.

Solange sich das Klima also nicht zufällig umkehrt, müsste man weg von der Fichtenschonung.

Vielen Dank an Fabian Gimber und bis zur nächsten Ausgabe.

Crossmedia – Wir hören uns..

Beitrag erarbeitet von: Jan Böffgen

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