Spielebericht zu „Call of Duty: Black Ops 2“

 

Wie jedes Jahr im Winter erscheint wieder einmal ein neuer Call of Duty Ableger. Hierbei wechseln sich die Entwickler „Infinity Ward“ und „Treyarch“ ab. Letztes Jahr ist „Call of Duty: Modern Warfare 3“ erschienen, welches von Infinity Ward entwickelt wurde, und brach alle Verkaufsrekorde (die im Jahr davor vom Vorgänger abermals gebrochen wurden). Call of Duty Modern Warfare 3 verkaufte sich weltweit 9,3 mio. mal in den ersten 24 std.! Dies entspricht einem Umsatz von ca. 570 mio. US-Dollar. Hiermit hat Call of Duty: Modern Warfare 3 am Verkaufstag mehr eingespielt, als jedes andere Videospiel, jeder Film oder jedes Buch. Der „direkte Konkurrent“ Battlefield 3 konnte 5 mio. Exemplare in der ersten Woche verkaufen und auch dies ist eine sehr beeindruckende Zahl. Man kann also die Reihe „Call of Duty“ als Phänomen betrachten.

Kein Spiel verkauft sich so gut wie dieses und bei keinem anderen Spiel gehen die Meinungen der Spieler und Medien so weit auseinander wie hier. Die einen heben das Spiel ins Grenzenlose, die Kritiker bemängeln die Einfallslosigkeit der Entwickler. Ich möchte meine Meinung zum neuen Ableger „Call of Duty: Black Ops 2“ schildern. Dieses ist am 13.11.2012 für Pc, Xbox 360 und Playstation 3 erschienen und wurde von Treyarch entwickelt. Im Vorfeld hatten Branchen-Analytiker prophezeit, dass der neuste Teil sich nicht so gut verkaufen würde wie die Vorgänger und dass die gesamte Call of Duty Reihe ihren Höhepunkt bereits hinter sich gelassen hätte. Die neusten Erkenntnisse zu den Verkaufszahlen in Amerika zeigen jedoch das Gegenteil.

Michael Olson, Analyst bei Piper Jaffray Cos, geht da sogar noch weiter: Von ihm durchgeführte Händleranfragen haben ergeben, dass geschätzte 6.5 bis 7.2 Millionen Kopien alleine in den ersten 24 Stunden nach Launch verkauft wurden. Zum Vergleich: Vorgänger Modern Warfare 3 ging im letzten Jahr 6,5 Millionen Mal über den Ladentresen.“ (Quelle: http://callofduty.4players.de –  14.11.12)

Update:

Laut aktuellen Hochrechnungen hat Call of Duty: Black Ops 2 innerhalb von 24 Stunden beeindruckende 500 Millionen US Dollar eingenommen. Call of Duty: Modern Warfare 3 kam vergangenes Jahr auf 400 Millionen Dollar.“ (Quelle: http://www.gamestrust.de – 16.11.12)

 

Gewaltdarstellungen

Das erste Mal erscheint Call of Duty in Deutschland komplett uncut. Die Gewaltdarstellungen sind teilweise so enorm, dass man sich fragen muss, ob ein so hoher Gewaltgrad wirklich nötig war um die passende Atmosphäre durch das Spiel zu tragen. Das Spiel hat, meiner Meinung nach, völlig zurecht eine USK Freigabe von „ab 18“ bekommen. Blut spritzt, Gliedmaßen können abgetrennt werden und digitale Menschen verbrennen. Die Gewaltdarstellungen lassen sich im Spiel nicht reduzieren oder deaktivieren.


Der Singleplayermodus

Call of Duty: Black Ops 2 spielt in der Zukunft im Jahr 2025. Die Geschichte handelt von Rache, Verrat und Weltherrschaft. Sie ist packend inszeniert, so wie man es von den Vorgängern gewöhnt ist. Die Zwischensequenzen, die die Story transportieren und Details verraten, sind zu meist in Spielgrafik dargestellt, nur selten in echten Filmsequenzen. Bereits bekannte Charaktere wie „Frank Woods“ und „Alex Mason“ spielen die Hauptrolle, sind jedoch, da die Geschichte in der Zukunft spielt, deutlich gealtert. Die Levels spielen im Jahr 2025 als auch in der 80er Jahren. Immer wieder lassen sich kleinere Gadgets finden wie z.B. eine Bärenfalle, eine Drohne samt montiertem MG oder Elektroschock-Granaten. Diese lockern die Missionen deutlich auf und tragen zur Abwechslung bei. Außerdem tragen „Rail-Shooter“-Passagen, Rennpassagen und die Möglichkeit Drohnen oder gar Kampfroboter zu steuern deutlich dazu bei, dass dem Spieler nie langweilig wird. Eine weitere Neuerung des Singleplayer-Modus ist, dass man vor jeder Mission selbst entscheiden kann, welche Ausrüstung man in den Auftrag mitnehmen möchte. Desweiteren gibt es „Nebenmissionen“ die nicht zwingend erfüllt werden müssen. Sie werden als „Einsatzkommando“ bezeichnet und stellen einen völlig neuen Spielmodus dar. In diesem Modus hat man vier Einsatztruppen, bspw. Soldaten, Drohnen, Geschütztürme und Kampfroboter. Es besteht die Möglichkeit wie bei einem Strategiespiel heraus zu zoomen und die Einheiten zu kommandieren oder unmittelbar jede Einheit zu kontrollieren und somit einen Geschützturm, eine Kampfdrohne etc. selbst zu steuern. Dieser Modus ist wirklich innovativ und macht eine Menge Spaß. In der Kampagne werden dem Spieler zudem Entscheidungsfreiheiten gegeben, vergleichbar mit Rollenspielen wie Mass Effect. So kann der Spieler entscheiden, ob er seinen Teamkameraden erschießt um die eigene Tarnung bei der gegnerischen Fraktion nicht zu verlieren oder ob er stattdessen direkt den Anführer der gegnerischen Fraktion zu erschießen versucht. All diese Entscheidungen nehmen direkten Einfluss auf den Spielverlaufe, die zukünftigen Missionen und auch auf das Ende der Kampagne.

Kritisieren muss man die KI der Bots. Diese haben häufiger Aussetzer und rennen scheinbar kopflos auf einen zu, wobei sie nicht einmal schießen. Teilweise erkennt man klare Programmierungsfehler bei der KI. So nehmen Bots teilweise an der falschen Seite der Wand Deckung, sodass sie mit dem Rücken zum Spieler stehen. Desweiteren suchen sie Deckung bei Objekten, die bereits vor einigen Sekunden zerstört wurden. Diese Momente sind sehr ärgerlich.

Insgesamt hat mir die Kampagne jedoch überraschend gut gefallen. Besonders die Abwechslung und die spannende Inszenierung haben mir sehr gefallen. Die Spielzeit der Kampagne ist jedoch mit ca. 5 Stunden sehr kurz. Möchte man alle Nebenmissionen erfüllen und alle Kampagnenenden sehen, können auf die zuvor genannten 5 Spielstunden weitere 2 Stunden dazugerechnet werden.


Der Zombie-Modus

In diesem Modus verteidigt man sich gegen mehrere Wellen von Zombies. Es gibt auch hier mehrere Modi aber im Endeffekt zielt jeder darauf ab sich mit seinem Team gegen die Zombies zu verteidigen. Man kann sich auch einige Items selbst zusammenbauen, wie z.B. ein Schutzschild. Die Materialien hierfür sind im gesamten Level verteilt und müssen vom Spieler gefunden werden. Manche Items muss man sich sogar zusammenbauen um weiter zu kommen, bspw. einen Stromgenerator. Waffen kauft man sich im Spiel mit den Punkten die man verdient indem Zombies getötet werden. Munition ist begrenzt und relativ teuer. Ist das gesamte Team gestorben, so endet die Mission sofort und muss von vorne begonnen werden. Die Zombies sind im Allgemeinen recht langsam, man sollte sie aber durch ihre Anzahl und ihre Fähigkeit Schüsse einzustecken nicht unterschätzen. Ohne ein sehr gutes Teamplay wird man hier nicht einmal die erste Welle überleben. Die Maps und auch die Zombies wirken düsterer und bedrohlicher als in vergleichbaren Spielen wie „Left 4 Dead“. Die Szenarien und die Levels sind sehr gut und kreativ gestaltet. So fährt man in einer Mission mit dem Bus von Station zu Station und muss immer wieder aussteigen um den Strom einzuschalten. Der Busfahrer wird von einem Roboter dargestellt der immer wieder mit einer blechernen Stimme „Bitte einsteigen“ von sich gibt. Dank der unterschiedlichen Waffen und Szenarien bleibt dieser Modus lange abwechslungsreich und unterhaltsam. Der Schwierigkeitsgrad ist relativ hoch, jedoch stets fair. Der Zombiemodus sorgt für weitere fesselnde Stunden an Spielspaß.

 

Der Multiplayer-Modus

Dies ist das Glanzstück aller Call of Duty Teile und sollte auch den überwiegenden Kaufgrund darstellen. Es gibt von Release an 15 Maps die sich teilweise nochmals, entsprechend dem Spielmodus, verändern. Insgesamt gibt es 27 Spielmodi die in 5 Rubriken unterteilt sind. Desweiteren gibt es ein „Ligaspiel“ indem alle Waffen, Waffenaufsätze und „Perks“ schon von Beginn an freigeschaltet sind. Hier wird man einer Gruppe hinzugefügt die ungefähr das gleiche Spielerniveau hat wie der Spieler selbst. In den Ligaspielen bestimmt man seinen Highscore, womit man auf der weltweiten Rangliste landet. Dieser Modus soll später auch direkt mit der ESL (Electronic Sports League) verbunden werden.

Bei den vorhandenen 27 Modi ist garantiert für jeden etwas dabei. Sie reichen vom „Gun-Game“ zum klassichen „Team-Deathmatch“ und „Capture the Flag“ bis hin zum Bot-Game. In diesen Modi steigt man immer weiter im Level auf, wodurch neue Waffen, Granaten, Perks und „Abschussserien“ freischaltet werden. Waffenupgrades wie neue Scopes, Schalldämpfer, erweiterte Magazine etc. schaltet man frei, indem mit den Waffen selbst Abschüsse erzielt. Perks sind passive Boni, wie bspw. schnelleres Rennen, schnelleres Zielen oder verbesserter Schutz gegenüber Explosionsschäden.

Abschussserien können vom Spieler aktiviert werden, wenn man eine gewissen Anzahl an Punkte am Stück erreicht ohne zu sterben. Insgesamt hat man immer 3 aktiv nutzbare Abschussserien in einem Spiel die man erneut beliebig nach jeder Runde kombinieren kann. So kann man bspw. eine Drohne losschicken, welche die Position der Gegner auf der Minimap verrät oder man bestellt einen Kampfhelikopter der mit einem MG ausgerüstet ist und selbstständig über die Map fliegt und wirkungsvoll Gegner eliminiert. Eine „Todesserie“ wie in den Vorgängern gibt es nicht mehr. Neu ist auch das System wie der Spieler seine Ausrüstung zusammenstellen kann. Jeder besitzt 5 eigene Klassen mit jeweils 10 „Slots“. Jedes Item und jeder Boni nimmt einen Slot in Anspruch. Das System ähnelt einem Skillsystem in einem Rollenspiel. Man muss sich entscheiden, ob man eine Primärwaffe mit 3 Aufsätzen haben möchte und eine Hand voll Perks und dafür dann auf eine sekundär Waffe und Granaten verzichtet oder mit einem bloßen Messer und einer Pistole bewaffnet ist, dafür aber bis zu 6 Perks mitnimmt. Es gibt etliche Kombinationsmöglichkeiten die alle gut balanciert erscheinen. Wobei man sagen muss, dass bei den Vorgängern schnell Patches erschienen, die das Balancing der Waffen und Perks noch weiter verfeinerten. Ich denke, dass auch im neusten Teil die Community schnell wieder eine Waffe als „zu mächtig“ identifiziert und diese dann „generft“ (abgeschwächt) wird. Neben der Perks und Waffenaufsätzen gibt es ein weiteres Feature um das Spiel zu personalisieren. Man kann ein sogenanntes eigenes „Emblem“ und eine eigene „Visitenkarte“ erstellen. Diese werden jedem Gegner angezeigt den man getötet hat. Besonders bei der Erstellung des Emblems hat man schier unbegrenzte Designmöglichkeiten. Man hat etliche Formen (manche muss man erst freischalten) die man zerren, drehen und vergrößern kann. Es gibt ebenfalls verschiedene Ebenen mit denen man arbeiten kann. Hier sind die Möglichkeiten unbegrenzt und man ist immer wieder fasziniert, wenn man sieht was andere Spieler als Emblem designt haben.

Der Multiplayermodus läuft mit flüssigen 60fps. Dies ist auch zwingend notwendig, da das Spielgeschehen sehr schnell ist. Sogar ein einzelnes Blinzeln im falschen Augenblick oder auch nur eine Sekunde Unaufmerksamkeit können den sofortigen Tod bedeuten. Hierfür ist die Serie Call of Duty bekannt und hierfür wird sie auch geliebt. Kein Spieler kann mehrere Schüsse aushalten. Ein Sniperschuss bedeutet meistens schon den Tod und ein Headshot sowieso. Häufig weiß man gar nicht was einen getötet hat. Doch nach jedem Tod erscheint eine „Killcam“ die zeigt, was der Gegner gesehen hat, als er den Spieler getötet hat. Ein sehr hilfreiches Feature, da man sonst des Öfteren glaubt von einem Cheater getötet worden zu sein. Außerdem kann man hierdurch seinen eigenen Spielstil verbessern und von anderen Spielern lernen. Erwähnenswert ist auch, dass die „Wartezeiten“ zwischen den einzelnen Runden verkürzt wurden. Manch einer, der nach jeder Runde seine Ausrüstung anpassen möchte, wird sich ärgern, mich jedoch hat diese Veränderung sehr gefreut. Immerhin möchte ich spielen und nicht warten. Eine weitere Neuerung sind die „Cod TV“ und „Kino“ Auswahlmöglichkeiten. In diesen kann man sich seine gespielten Matches ansehen, bearbeiten und auf youtube oder/und der Call of Duty Community freigeben. Man kann sich natürlich auch die Videos der anderen Spieler ansehen, sofern diese freigegeben werden. Bereits jetzt, ein paar Tage nach Release, gibt es etliche veröffentlichte Videos von der Community.

 

Die Zukunft von Call of Duty: Black Ops 2

Es wird in Zukunft mehrere DLC’s (Downloadable contents) geben. Diese werden eine gewissen Anzahl an neuen Maps oder Spielmodi bieten. Der Preis für einen solchen DLC wird ca. 14€ betragen. Schon jetzt kann man einen sogenannten „Season Pass“ erwerben, der einem Zugriff auf die ersten vier DLCs verschafft und zum Preis von 39,99€ angeboten wird. Diese Vorgehensweise des Publishers (Activison-Blizzard) wurde in der Vergangenheit mehrmals kritisiert. Ein DLC beinhaltet teilweise lediglich 5 Maps und wird dann zu einem so hohen Preis zum Kauf angeboten.

 

Fazit

Für mich ist der neuste Call of Duty Ableger der Beste Teil der Serie. Endlich wurde das 2 Weltkriegs/Vietnam – Szenario hinter sich gelassen und man riskiert etwas Neues. Das Zukunfts-szenario wirkt keineswegs aufgesetzt und die Gadgets wirken trotz allem realistisch und passend. Sowohl der Singleplayermodus, der Zombiemodus als natürlich auch der Multiplayermodus motivieren ungemein. Wenn man beim Singleplayermodus wirklich alles schon gesehen und gespielt hat versprechen die anderen beiden Modi endlosen Spielspaß. Wem die Casual-Gamer im Multiplayermodus zu leicht werden, der kann problemlos und mit wenigen Klicks Ligaspiele spielen. Feststellen lässt sich: Der Multiplayer-Modus wird immer eine Herausforderung bleiben, egal welches Spielerniveau man selbst hat. Wer die Vorgänger mochte kann bedenkenlos zugreifen, wer etwas für Egoshooter übrig hat sollte sich Call of Duty: Black Ops 2 auf jeden Fall genauer anschauen. Für mich ist dies der Shooter des Jahres 2012 der die Erfolgsgeschichte der Serie nahtlos fortsetzt.

von Tilman Moderegger

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